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Sonntag, 29. November 2020

Lohnen sich Angebote von z.B. EVU’s, wenn es um die Wärmeversorgung des eigenen Neubaus geht?

Erneut hat mich ein Freund von mir gebeten ein Angebot eines Energieversorgers zur Wärmeversorgung seines Neubaus zu beurteilen. Er wollte von mir einen Rat, ob er ein solches Angebot annehmen soll, oder ob der Eigenerwerb zu bevorzugen sei.

Nun, der erste Gedanke war:
Wenn du ein Freund davon bist Leistungen über einen Drittanbieter zu nutzen, weil du dich dann vermeintlich um nichts kümmern musst und dafür einen nicht unerheblichen „Aufschlag für die Dienstleistung“ in Kauf nimmst und dir eine Abhängigkeit vom Versorger die nächsten Jahre egal ist, dann nehme das Angebot des EVU an.  
   

Was bietet man hier an:

  • Kein hohes Eigeninvest       
  • Man kümmert sich um Alles 
  • Kostengünstige Wärmeversorgung 
  • Man leistet einen Beitrag zum Umweltschutz
  • Kostenfixierung des Wärmepreises für 5 Jahre
  • Blabla..

Nun, dem gegenüber steht:
Willst du ein wenig mehr Arbeit investieren, mit einigen Vorteilen, dann erwerbe eine Anlage selbst. Einen Beitrag zum Umweltschutz leistest du auch hierbei und kostengünstig wird die Wärmeversorgung auch hier, eher sogar günstiger.

Es ergeben sich bei einer „eigenerworbenen Anlage“ jedoch auch einige nicht zu vernachlässigende Vorteile:

  • Du wirst „Eigentümer“ der Anlage
  • Du erhältst Anspruch auf staatliche Förderungen (BAFA / KFW)
  • Du bist vertraglich nicht die nächsten 10-20 Jahre abhängig von „einem Energieversorger“
  • Du bist somit auch nicht auf Gedeih und Verderb die nächsten Jahre von der Preisgestaltung deines EVU abhängig
  • Du bist frei in der Gestaltung deiner Anlage mit z.B. weiteren Ergänzungen wie PV oder Solarthermie. Ja, diese Technologien kosten extra, da sie jedoch die Energie der Sonne nutzen bist du in der Lage die Energiekosten zu reduzieren

Rein wirtschaftlich gesehen stellt sich das Ganze, nach einem Betrachtungszeitraum von 10 Jahren gerechnet, wie folgt dar. Hierfür wurde wie folgt berücksichtigt:

  • Gleicher Leistungsbedarf
  • Keine Kostensteigerung von Strompreis sowie keine Erhöhung des Wärmepreises des EVU nach den 5 Jahren Preisfix für 5 Jahre. (Da können schon echte Überraschungen auf den Betreiber zukommen!!)
  • Wartungskosten bei der eigenen Anlage wurden mit 100 EUR pro Jahr angesetzt (ist in den ersten Jahren eigentlich vernachlässigbar – eine Überprüfung der Anlage sollte in den ersten zwei Jahren Teil des Angebotes des ausführenden Unternehmens sein)
  • Nicht berücksichtigt wurde bei der Eigenanlage ein möglicher „Wärmepumpenstromtarif“ des „frei gewählten“ EVU mit einem möglichen Rabatt von ca.20%
  • Berücksichtigt wurde bei der Eigenanlage der Anspruch auf Förderung
  • Berücksichtigt wurde bei der Eigenanlage ein kostengünstiges Darlehen über die KFW mit einem Zinssatz von aktuell ca. 0,78 %

Ohne großes Zahlenspiel kommt man auf ein Ergebnis, welches kostentechnisch bei beiden Varianten nach 10 Jahren wie folgt aussieht.

Über zehn Jahre gesehen ist die eigenerworbene Anlage signifikant kostengünstiger.

Zudem gilt bei der eigenerstellten Anlage folgendes:

  • Bei der Eigenanlage ist die Anlage „Eigentum“!
    Bei den Wärmepaketen eines EVU bleibt die Anlage Eigentum des EVU (kann je nach Anbieter und je nach Laufzeit variieren)
    Beachte: Oftmals beinhaltet die Anfangszahlung für ein „Starterpaket Wärme“ nicht automatisch auch den Übergang in das Eigentum des Betreibers!
  •  Der Anbieter des Stromtarifes kann jedes Jahr neu geprüft und neu entschieden werden
  • Mit z.B. einer ergänzenden PV-Anlage können die Strombezugskosten signifikant reduziert werden; dies reduziert die Kosten des Stromverbrauches der WP UND den Stromverbrauch im Haus selbst
  • Man ist vertraglich nicht in einer Abhängigkeit zu „einem EVU“ (oftmals 10 Jahre!!)
  • Ein Anfangs-Invest ist über ein Darlehen anfänglich erheblich niedriger
  • Beachte hierzu: Ein EVU erwartet anfänglich ein nicht unerhebliches Invest für ein oftmals als „Wärmepaket“ bezeichnetes Starterset!!

Zusammenfassend gilt somit grundsätzlich Folgendes:

·       Zahlt man für eine vermeintliche Bequemlichkeit gerne einen entsprechenden Obolus, sind die Kosten über die Laufzeit eher unerheblich und ist einem eine entsprechende Abhängigkeit egal, dann kann man sich für das Angebot des EVU entscheiden

·         Beachte hierzu: „Man muss sich um nichts kümmern“ ist hierbei „relativ“!!

·      Ist man jedoch gewillt ein wenig mehr Arbeit einzubringen (Beachte hierzu: in Verbindung mit dem ohnehin zu organisierenden Wärmeverteilernetz wird der Aufwand eher maginär), will man die aktuellen Fördergelder sowie die angebotenen kostengünstigen Darlehen nutzen und will man zudem auch unabhängig von der Wahl des Energie-Anbieters sein, dann ist die Eigenanlage die erste Wahl. Und als Bonbon spart man über die Laufzeit noch dazu einiges an Kosten!

Letztendlich ist es die Entscheidung eines Jeden persönlich. Man muss sich jedoch die Grundsatzfrage stellen: „Bin ich bereit für eine „vermeintliche“ Bequemlichkeit mehr Geld auszugeben und mich für die nächsten ca. 10 Jahre in ein Abhängigkeitsverhältnis bringen??“ 

Vielleicht gibt es ja auch andere Beispiel da draußen die genau das Gegenteil belegen. Ich für meine Teil wurde bisher weder bei meinen lokalen Versorgern noch bei meinem Freund positiv überrascht.. 😏

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