Blog 09_2026
Gas,
Realitätscheck und Energie-Bremsklotz: Wie Katherina Reiche die
Energiewende gefährdet
Deutschland braucht eine funktionierende Energiepolitik - und zwar nicht irgendeine, sondern eine, die technisch fundiert, klimawissenschaftlich abgesichert und wirtschaftlich sinnvoll ist. Das ist eine Erwartung, die an einen Wirtschafts- und Energieministerin gestellt werden muss. In den letzten Monaten jedoch hat Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) wiederholt Entscheidungen und Vorschläge vorgelegt, die nicht nur ideologisch rückwärtsgewandt wirken, sondern auch im Widerspruch zu wissenschaftlichen Analysen und energiepolitischen Notwendigkeiten stehen. Das hat längst nicht nur Umweltverbände kritisiert, sondern auch Expert*innen aus der Branche, wie z. B. Vertreter der DGS - Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e. V.. An dieser Stelle stellt sich zwingend die Frage, welche Gründe wohl für eine solch offensichtliche Fehlorientierung sorgen. Der Ruf nach einem Untersuchungsausschuss, der die zu vermutenden persönlichen Gründe einer Katherina Reiche, prüft und gegebenenfalls die Ministerin in die Schranken weist oder im Extremfall des Amtes enthebt, wird immer lauter. Vielleicht wird es langsam mal Zeit die Leistungsfähigkeit einer Katherina Reiche laut zu hinterfragen.
Die Ultradrehung: „Realitätscheck" als Bremse
Reiche hat mehrfach einen sogenannten „Realitätscheck der Energiewende" propagiert, der zunächst harmlos klingt, in der Praxis aber genau das ausbremst, was Deutschland dringend braucht: den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien. Kritische Stimmen, etwa von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), warnen, dass der Rahmen dieses „Checks" künstlich die Nachfrage nach erneuerbaren Kapazitäten niedrig ansetzt, indem wichtige innovative Sektoren wie Elektromobilität, Solarthermie, Wärmepumpen, Speichertechnologien (Strom und WÄRME) und Digitalisierung außen vor bleiben - also genau jene Technologien, die die Energiewende robuster machen würden. Dass es dabei nicht allein um nüchterne Realität geht, sondern um politische Prioritätensetzung und zu vermutende persönlichen Interessen, wird daran deutlich, dass Reiche ihre „Realismus“-Diskurse in dieselbe Phase stellt, in der sie gleichzeitig massiven Zubau von Gaskraftwerken fordert - fossilen Kraftwerken, die sich über Jahrzehnte hinweg festschreiben würden. Handelt es sich hiereventuell sogar um einen Dienst an Kumpanen der beruflichen Vergangenheit?? Da versteht man durchaus den lauter werdenden Ruf nach einem Untersuchungsausschuss der das mal kritisch hinterfragt und prüft.
Gaskraftwerke als Leitstern - ein teurer Irrweg
Zwar ist es erstrebenswert, Versorgungssicherheit herzustellen - aber der Fokus von Reiche auf den schnellen Bau von mindestens 20 Gigawatt Gaskraftwerksleistung ist problematisch. So kritisiert der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), dass dieser Fokus auf Gaskapazitäten zulasten anderer, effizienter und sauberer Flexibilitätsoptionen geht, etwa Solarthermie, Wärme-/Strom-Speichern, Demand-Side-Management oder Biogas.
Dass
diese Kritik berechtigt ist, unterstreichen nicht nur
Expertenverbände wie die Deutsche
Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS),
die hierin widersprüchliche Schlussfolgerungen zum eigenen
Monitoringbericht und eine Verzerrung
der wissenschaftlichen Datenlage
sehen, sondern auch NGOs: Sascha Müller- Kraenner von der DUH der
das Monitoring und die ausgestellten Maßnahmen als „Klientelpolitik
erster Güte für die großen Gaskonzerne"
bezeichnet.
https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/geplante-staatshilfen-fuer-neue-
gaskraftwerke-deutsche-umwelthilfe-reicht-beschwerde-bei-europaeische/
https://www.linkedin.com/posts/catiana-krapp-b78a81124_wow-so-einfach-funktioniert-lobbyismus-activity-7431957127113371648-UnKb?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAAACFKNUBiEpVkvGGj1bz3W5L2j2T_Ru8BFc
Von der kritischen Zerlegung durch Greenpeace mal abgesehen. https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/gasausstieg/kritik-am-energiewende-monitoringbericht
Der massive Vorstoß für Gasslots resultiert nicht aus einer technokratischen Notsituation, sondern zu einer Zeit, in der erneuerbare Technologien global dominieren und weiterhin signifikant günstiger sind als fossile Kraftwerke. Wenn selbst zahlreiche Netzanalysen zeigen, dass Speicher, Sektorenkopplung und smarte Netze Versorgungslücken zuverlässig ausgleichen können, entpuppt sich der Gasfokus als ideologisch motivierte Entscheidung - mit teurem Preisschild für Wirtschaft und Verbraucher.
Subventionsabbau und Abkehr von grüner Priorität
Hinzu kommt, dass Reiche in offiziellen Verlautbarungen - etwa im Monitoringbericht des BMWE - darauf drängt, Subventionen für erneuerbare Energien zu reduzieren und stattdessen „kosteneffizientere Marktmechanismen" zu etablieren. Gleichzeitig propagiert sie Technologien wie Carbon Capture & Storage (CCS) und setzt Wasserstoff-Politik auf weniger ambitionierte Beine als noch im Vorjahr geplant. Das ist kein technisches Rebalancing, sondern ein ideologischer Schwenk weg von einer Energiezukunft, die auf klimafreundliche, erneuerbare Erzeugung und Innovation setzt, hin zu einer „neutralen" Marktlogik, die fossile Interessen stärker berücksichtigt. Das hieraus der Eindruck eines gewissen ,,Geschmäckles“ entsteht, versteht sich glaube ich von selbst.
Inkompetenz oder Klientelpolitik?
Ein Blick auf den Hintergrund der Ministerin macht skeptisch: Reiche war zuvor in führenden Positionen bei einem großen Energie-Netzbetreiber tätig und nun setzt sie Prioritäten, die genau diesen Sektor stärken und zuspielen würden. Auch wenn qualifizierte Fachpolitik auf Erfahrungen aus dem Energiesektor angewiesen ist, entsteht hier schnell der Eindruck, dass Interessenlagen und politische Weichenstellungen zu stark miteinander verknüpft sind. Das ist nicht nur populistische Kritik - NGOs, Energiewirtschaft und Branchenverbände sehen die Maßnahmen als wirtschaftlich unklug, politisch schlecht durchdacht und klimapolitisch verheerend.
Ein sachlicher, besserer Weg: Erneuerbare und Innovation statt fossiler Nostalgie
Deutschland hat die technologischen Möglichkeiten, um die Energieversorgung nachhaltig, ressourceneffizient und wirtschaftlich zu gestalten. Dazu gehören unter anderem:
Solarthermie und langfristige thermische Speicher, die saisonale Schwankungen ausgleichen können und Heiz- und Kühlbedarfe direkt adressieren.
Groß- und kleinteilige Energiespeicher (Batterien, Pumpspeicher, Wasserstoff als Energieträger), um Dunkelflauten zu überbrücken, ohne fossile Kraftwerke vorzuhalten.
Smart Grids und Nachtfrageflexibilisierung (Demand-Side-Management), die Netzstabilität durch Verbrauchsintelligenz steigern.
Sektorenkopplung zwischen Strom, Wärme und Industrieprozessen, die Synergien erschließt und fossile Lasten eliminiert.
All diese Technologien haben nicht nur das Potenzial, Klimaziele zu erreichen, sondern auch Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und technologische Exporte zu fördern. Wenn der Fokus auf Kosten-Effizienz und Versorgungssicherheit wirklich ernst gemeint wäre, müsste er auf Innovation liegen - nicht auf einer Renaissance fossiler Technologien.
Fazit
Was derzeit unter dem Label „Realitätscheck“ und „kosteneffizienter Energiewende" vorgelegt wird, ist nicht der nüchterne Blick einer Ministerin die es fachlich besser wissen sollte, sondern ein politisches Manöver, das den Ausbau der Erneuerbaren drosselt und alte, teure und klimaschädliche Infrastrukturen reanimiert - mit dem Kollateralschaden für Klima, Verbraucher und Industrie.
Deutschland braucht kein Gas-Déjà-vu, sondern eine mutige, wissenschaftlich untermauerte Energiewende. Die aktuelle Linie von Katherina Reiche entpuppt sich zunehmend als ideologischer Irrweg
-
und sie ist der falsche Kompass für Deutschlands Energiezukunft.