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Mittwoch, 3. Juni 2026

 

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Die Energiewende ist mehr als Strom: Warum wir endlich anfangen müssen, Wärme mitzudenken

Im Nachfolgenden wiederhole ich ein Thema, über welches ich schon so manches mal geschrieben habe. Aber wie heißt so schön altmodisch:
Steter Tropfen und so…


Ein kurzer Blick zurück: Wie aus einer Energiewende eine Stromwende wurde

Die deutsche Energiewende war ursprünglich als ganzheitliche Transformation gedacht. Weg von fossilen Energieträgern, hin zu erneuerbaren Quellen. Eigentlich ein recht einfacher Plan.

Doch irgendwo zwischen EEG-Novellen, Lobbyinteressen, Förderrichtlinien und politischem Aktionismus wurde aus der Energiewende schleichend eine Stromwende. Heute scheint die öffentliche Debatte fast ausschließlich aus drei Begriffen zu bestehen: Photovoltaik, Windkraft und Wärmepumpe.

Wer Fachmedien liest, LinkedIn öffnet oder durch soziale Netzwerke scrollt, bekommt schnell den Eindruck, die Lösung aller energiepolitischen Herausforderungen bestehe darin, möglichst viele Solarmodule auf Dächer zu schrauben und anschließend Wärmepumpen anzuschließen.

Das ist nicht falsch.

Aber es ist eben auch nicht die ganze Wahrheit.

Denn während Deutschland über Gigawatt, Einspeisevergütungen und Netzanschlusspunkte diskutiert, gerät ein entscheidender Fakt regelmäßig in Vergessenheit: Der größte Energieverbraucher in Deutschland ist nicht der Stromsektor. Es ist die Wärme.

Der aktuelle Ist-Zustand: Strom, Strom und nochmals Strom

Der jährliche Wärme- und Kältebedarf Deutschlands liegt noch immer bei rund 1.200 bis 1.300 Terawattstunden. Selbst unter Berücksichtigung zukünftiger Effizienzsteigerungen bleibt dies der mit Abstand größte Energiebedarf unseres Landes.

Trotzdem konzentriert sich nahezu die gesamte öffentliche Aufmerksamkeit auf die Stromerzeugung.

Die Folgen dieser Einseitigkeit sind sichtbar:

  • Überdimensionierte PV-Anlagen werden installiert, weil möglichst viel Fläche belegt werden soll.

  • Netzbetreiber kämpfen mit Engpässen.

  • Erneuerbare Stromerzeugung wird regelmäßig abgeregelt.

  • Der Netzausbau hinkt dem Ausbau der Erzeugungsanlagen hinterher.

Und anschließend beginnt das bekannte Ritual:

Die Branche beklagt die Politik. Die Politik beklagt fehlende Genehmigungen. Die Netzbetreiber beklagen fehlende Kapazitäten. Die Bürger beklagen steigende Kosten.

Alle beklagen irgendetwas.

Nur über Lösungen wird erstaunlich wenig gesprochen.


Die verdrängte Technologie: Solarthermie

Dabei existiert eine Technologie, die seit Jahrzehnten verfügbar, technisch ausgereift und millionenfach erprobt ist:

SOLARTHERMIE..

Ja, genau. Diese Technologie, die in vielen Diskussionen inzwischen ungefähr die mediale Aufmerksamkeit einer Telefonzelle im Zeitalter des Smartphones genießt.

Dabei besitzt Solarthermie einen entscheidenden Vorteil:

Sie erzeugt Wärme direkt.

Kein Umweg über Stromerzeugung. Keine Wechselrichter. Keine Netzanschlüsse. Keine Einspeiseanträge. Keine Redispatch-Maßnahmen.

Sonnenstrahlung wird unmittelbar in nutzbare Wärme umgewandelt.

Aus physikalischer Sicht ist das bemerkenswert effizient.

Denn wenn Wärme benötigt wird, stellt sich die berechtigte Frage:

Warum sollte man Sonnenenergie zunächst in Strom umwandeln, diesen transportieren und anschließend wieder in Wärme zurückverwandeln?

Das entspricht ungefähr dem Versuch, Wasser durch drei Pumpstationen zu schicken, obwohl die Quelle direkt neben dem Haus liegt.

Wärme teilen statt Strom abregeln

Besonders interessant wird Solarthermie dort, wo wir über Quartiere, Nahwärmenetze und industrielle Anwendungen sprechen.

Anders als Strom lässt sich Wärme vergleichsweise einfach speichern.

Von klassischen Pufferspeichern über Erdbecken- und Aquiferspeicher bis hin zur saisonalen Wärmespeicherung existieren zahlreiche Technologien, die längst marktreif sind.

Überschüssige Wärme muss nicht zwangsläufig verloren gehen.

Sie kann gespeichert werden.

Sie kann mit Nachbarn geteilt werden.

Sie kann ganze Quartiere versorgen.

Sie kann Prozesswärme für Industrie und Gewerbe bereitstellen.

Sie kann Fernwärmenetze unterstützen.

Und sie kann Wärmepumpensysteme entlasten, indem sie deren Effizienz deutlich steigert.

Genau deshalb geht es nicht um ein „Entweder-oder“.

Es geht um ein intelligentes „Sowohl-als-auch“.

Warum darüber kaum gesprochen wird

Die Antwort ist so einfach wie unerquicklich:

Mit Aufmerksamkeit lässt sich Geld verdienen.

Mit Marketing ebenfalls.

Und hier spielen Photovoltaik, Windkraft und Wärmepumpen inzwischen in einer ganz anderen Liga.

Solarthermiehersteller verfügen weder über die Marketingbudgets noch über die politische Schlagkraft großer Industriezweige.

Wer laut trommelt, wird gehört.

Wer physikalisch recht hat, leider nicht immer.

Das erklärt auch, weshalb manche Diskussionen heute weniger von Ingenieuren als von Marketingabteilungen geprägt werden.

Dabei sollte gerade die Energiewende ein Spielfeld der Physik sein.

Die Naturgesetze interessieren sich schließlich weder für Parteiprogramme noch für LinkedIn-Kampagnen.

Die politische Dimension: Wenn Ideologie auf Realität trifft

Natürlich trägt auch die Politik ihren Anteil an dieser Entwicklung.

Seit Jahren erleben wir energiepolitische Strategien, die häufig den Eindruck vermitteln, als würden sie auf PowerPoint-Folien entstehen und erst danach mit der Realität abgeglichen.

Der Netzausbau wurde unterschätzt.

Die Wärmewende wurde vernachlässigt.

Technologieoffenheit wurde oft gepredigt, aber selten gelebt.

Stattdessen entstand ein System, das einzelne Technologien bevorzugt, während andere kaum Beachtung finden.

Das Ergebnis ist ein energiepolitisches Monokulturdenken.

Und Monokulturen funktionieren weder in der Landwirtschaft noch in komplexen Energiesystemen besonders gut.

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, manche politische Entscheidungsträger betrachten Energieversorgung ähnlich wie einen Streamingdienst: Hauptsache, es läuft irgendetwas. Wie die Infrastruktur dahinter funktioniert, interessiert erst dann, wenn plötzlich der Bildschirm schwarz bleibt.

Die Möglichkeiten liegen längst auf dem Tisch

Dabei sind die Lösungsansätze keineswegs Zukunftsmusik.

Wir verfügen bereits heute über:

  • Großflächige Solarthermieanlagen

  • Saisonale Wärmespeicher

  • Aquiferspeicher

  • Nah- und Fernwärmenetze

  • Wärmepumpensysteme

  • Biomasseanlagen

  • Geothermie

  • Industrielle Abwärmenutzung

Die Technologien sind vorhanden.

Die Ingenieurskompetenz ebenfalls.

Viele erfolgreiche Projekte beweisen seit Jahren ihre Praxistauglichkeit.

Was fehlt, ist nicht das Wissen.

Was fehlt, ist der Wille zur konsequenten Umsetzung.

Fazit: Die Energiewende braucht mehr Ingenieure und weniger Scheuklappen

Die Energiewende wird nicht an fehlenden Technologien scheitern.

Sie wird scheitern, wenn wir weiterhin glauben, jede Herausforderung ausschließlich mit mehr Strom lösen zu können.

Photovoltaik ist wichtig.

Windkraft ist wichtig.

Wärmepumpen sind wichtig.

Aber sie sind eben nur Teile eines deutlich größeren Puzzles.

Wer die Wärmeversorgung eines Industrielandes dekarbonisieren will, muss sämtliche verfügbaren Technologien nutzen. Nicht irgendwann. Nicht nach der nächsten Wahlperiode. Nicht nach der nächsten Förderkulisse.

Sondern jetzt.

Die Physik hat ihre Hausaufgaben längst gemacht. Die Technologien stehen bereit. Die Beispiele funktionieren.

Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, dass Bürger, Unternehmen, Planer, Ingenieure und Kommunen wieder mehr Verantwortung übernehmen und weniger darauf warten, dass die nächste Regierung plötzlich die perfekte Lösung präsentiert.

Denn eines zeigt die Geschichte der Energiewende sehr deutlich:

Wer darauf wartet, dass politische Visionen allein Häuser heizen, Industrieprozesse versorgen und CO₂ vermeiden, wird am Ende feststellen, dass Wahlprogramme zwar vieles können – Wärme erzeugen gehört allerdings nicht dazu.


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