Energiewende ohne Wärme ist Selbstbetrug
Warum sich die Wetterau mehr um das Offensichtliche kümmern sollte
Man
kann es drehen und wenden, wie man will:
Eine Energiewende, die
die Wärme ignoriert, ist keine. Sie ist bestenfalls ein halbfertiges
Projekt – schlimmstenfalls politischer Selbstbetrug.
Ein
kleiner Seitenhieb sei mir an dieser Stelle erlaubt:
Ja, schon
klar „Aber Gaskathi hat doch gesagt…“. Schaut man sich die
Analyse von Greenpeace zum „..veränderten Gutachten zur
Energiewende..“ an, wird einem klar, woher das Gas
weht.. 😉
https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/gasausstieg/energiewendemonitoring
In der Wetterau und in vielen anderen Kreisen wird derzeit viel über Photovoltaik und Wind gesprochen. Das ist richtig und notwendig. Aber es ist eben nur ein Teil der Wahrheit. Über die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs entfällt auf Wärme. Wer diesen Bereich ausblendet, betreibt keine strategische Planung, sondern Symbolpolitik.
Strom als bequemer Fokus
Der
Stromsektor ist politisch attraktiv. Er lässt sich gut
visualisieren, gut fördern und gut kommunizieren. Mal von den Drückerkolonnen da draußen abgesehen, die es mit ihrer Marketingmaschinerie gut verstehen PV plus Wärmepumpe als das "Allheilmittel" zu verkaufen.
Ob man jedoch dem geneigten Kunden das richtige andient, sollte man zumindest kritisch hinterfragen.
Ein Solardach ist
sichtbar, ein Wärmenetz nicht. Vielleicht erklärt das, warum
kommunale Energiegespräche so häufig beim Strom stehen bleiben.
Doch physikalische Realitäten lassen sich nicht weglächeln. Wärme lässt sich vielfach direkt und effizient erzeugen – etwa durch Solarthermie oder durch die Nutzung von Abwärme. Strom dagegen erst in Wärme umzuwandeln, ist teuer, verlustbehaftet und infrastrukturell anspruchsvoll. Wer das ignoriert, verschiebt Kosten in die Zukunft – und auf die Bürgerinnen und Bürger.
Austausch ohne Vollständigkeit
Wenn sich Kommunen, der Kreis Wetterau, die WiReg und die OVAG zusammensetzen, ist das grundsätzlich ein gutes Zeichen. Problematisch wird es, wenn der thematische Rahmen zu eng gesteckt bleibt. Wer ernsthaft Verantwortung für die regionale Energiezukunft übernehmen will, muss auch über Wärmeversorgung, Wärmenetze und Speicher sprechen.
Alles
andere ist, als würde man über Mobilität reden und Busse
vergessen.
Beispielgrafik (grob vereinfacht): Warum Wärme mitgedacht werden muss
Friedberg könnte zeigen, was möglich wäre
Die Konversionsflächen der ehemaligen Kaserne in Friedberg sind ein Paradebeispiel dafür, wie viel Potenzial ungenutzt bleibt. Solche Bereiche eignen sich ideal für kommunale Wärmenetze, gespeist aus Solarthermie-Großanlagen, Wärmepumpen und Speichern. Technisch ist das seit Jahren erprobt. Neu wäre allenfalls der politische Wille, es konsequent umzusetzen. Eventuell ein Thema für die Stadtwerke Friedberg. Ein Blick nach Bad Nauheim (kalte Nahwärme) mit der Ergänzung einer Solarthermie-Großanlage zur Regeneration des Bereiches um den Flächenabsorber könnte hilfreich sein.
Der Blick nach Dänemark schmerzt
In Dänemark sind Wärmenetze Standard. Solarthermie-Großanlagen mit zehntausenden Quadratmetern Kollektorfläche versorgen ganze Städte. Die Wärmepreise sind stabil, die Abhängigkeit von fossilen Importen gering. Dort gilt Wärmeversorgung als öffentliche Infrastruktur – nicht als individuelles Risiko.
Hierzulande diskutieren wir noch, ob man das überhaupt darf.
Berlin hilft nicht – also muss die Region handeln
Die unionsgeführte Bundesregierung liefert wenig Orientierung. Der fehlgeleitete Begriff der Technologieoffenheit wird zur Ausrede für Untätigkeit, Marktvertrauen zum Ersatz für Planung. Wer darauf wartet, wird warten – und zahlen.
Gerade deshalb liegt die Verantwortung bei den Regionen. Die Wetterau hat alle Voraussetzungen, eine kluge, integrierte Energie- und Wärmestrategie zu entwickeln. Was fehlt, ist der Mut, das Thema Wärme gleichberechtigt zu behandeln. Zudem macht es Sinn sich entsprechend fachkundig unterstützen zu lassen. Insbesondere wenn man Fachkundige lokal ansässig hat.
Fazit
Die Wärmewende ist kein Spezialthema für Fachzirkel. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Energiewende bezahlbar, sozial und sinnvoll bleibt. Wer sie weiter ignoriert, handelt nicht vorsichtig – sondern fahrlässig.
Die
technischen Lösungen sind bekannt.
Man muss sie nur endlich
mit dem ihr zustehenden Ernst wahrnehmen und sich nicht einseitig
beraten lassen. Nicht, was in der öffentlichen Wahrnehmung nett
aussieht sollte hier der Treiber sein, sondern das was für die
Bürgerinnen & Bürger der Wetterau richtig ist.
Zudem eine kleine Anregung an dieser Stelle:
Vielleicht macht es Sinn bei der WiReg Wirtschaftsförderung Wetterau einen Bereich zu etablieren welcher sich mit Fragen rund um die Energie- und Wärmewende beschäftigt. Idealerweise in Verbindung mit erfahrenen Experten in diesem Bereich und und nicht politisch induziert durch eine reine Alibifigur.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen