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Mittwoch, 14. Januar 2026

Persönliches Kalkül oder schlicht Unwissenheit – Was läuft falsch in Deutschland wenn es um die energetische Versorgung geht?

Nicht die Frage, was ist politisch opportun oder gar für die persönliche Vorsorge weniger lukrativ, sondern was ist richtig für Deutschland sollte die Frage sein, wenn es um den Weg der Energie- und Wärmewende und dem damit verknüpften Transformationskurs in Wirtschaft und Industrie in Deutschland geht.

Lasst mich einen Ein Satz vorweg schicken:
Der folgende Artikel richtet sich nicht gegen eine politische Richtung, keine Partei und keine Person als solche. Er ist auch kein Ausdruck politischer Aversion. Es geht um etwas Fundamentaleres: die Frage, ob Deutschland bei der Energie- und Wärmewende sowie beim daraus abgeleiteten Transformationskurs von Wirtschaft und Industrie einen sachlich, technologisch und ökonomisch tragfähigen Weg beschreitet – unabhängig vom Parteibuch.

Die Energie- und Wärmewende ist kein ideologisches Projekt, sondern ein industrie-, standort- und sozialpolitisches Jahrhundertvorhaben. Sie ist mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden, keine Frage. Doch sie muss sich an einem einfachen Maßstab messen lassen: Führt sie mittel- und langfristig zu ökonomischer Stabilität, Versorgungssicherheit und internationaler Wettbewerbsfähigkeit, sowie einer positiven ökologischen Wirkung mit Blick auf den Klimawandel – oder produziert sie strukturelle Mehrkosten, technologische Sackgassen und neue Abhängigkeiten?

Ein zentraler Punkt dabei ist, neben dem ökologischen Aspekt, die technologische Ausrichtung. Die bislang dominierende, nahezu ausschließlich strombasierte Perspektive greift nachweislich zu kurz. Gerade im Bereich der Wärmeerzeugung – die in Deutschland rund die Hälfte des Endenergiebedarfs ausmacht – ist Strom nur eine von mehreren Optionen. Eine resiliente Wärmewende setzt zwingend auf einen technologieoffenen Ansatz: Solarthermie, Geothermie, Umweltwärme, industrielle Abwärmenutzung, Biomasse in klar definierten Einsatzfeldern sowie hybride Systeme müssen integraler Bestandteil sein. Der Blick zur Sektorkopplung tut hier not.

Ein kurzer Exkurs zur Solarthermie – stellvertretend für viele übersehene Lösungen:
Solarthermie ist eine ausgereifte, effiziente und kostengünstige Technologie zur direkten Wärmeerzeugung. Sie benötigt keine energieintensive Umwandlungskette, entlastet Stromnetze, senkt Spitzenlasten und lässt sich hervorragend in Wärmenetze und industrielle Prozesse integrieren. Internationale Beispiele – etwa aus Dänemark oder Österreich
(hier z.B. durch eine massive Selbstbau-Bewegung und Großanlagen) – zeigen, dass großskalige Solarthermie einen messbaren Beitrag zu stabilen Wärmepreisen leisten kann. Dass diese Technologie in der deutschen Debatte seit Jahren randständig behandelt wird, ist kein technisches, sondern ein politisch-strategisches Versäumnis.

Vor diesem Hintergrund wirft die aktuelle energie- und wärme­politische Ausrichtung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter Ministerin Katherina Reiche ernsthafte Fragen auf. Fachlich ist vielfach belegt, dass eine einseitige Elektrifizierungsstrategie – insbesondere im Wärmesektor – mit erheblichen Risiken verbunden ist: steigende Strompreise, massive Netzausbaukosten, erhöhte Systemkomplexität und wachsende Belastungen für Industrie und Verbraucherinnen und Verbraucher.

Hinzu kommt eine historische Dimension. Bereits im Jahr 2012, während ihrer Tätigkeit als Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, war Frau Reiche an energiepolitischen Weichenstellungen beteiligt, deren Folgen heute offen zutage liegen: ein kostspieliger, teils ineffizienter Ausbaupfad, der technologische Vielfalt eher begrenzt als gefördert hat. Der Weg der heute gerne als Altmaier-Delle bezeichnet wird. Ein teurer und falscher Pfad der die Solarindsutrie massiv Arbeitsplätze und Wirtschaftkraft gekostet hatte. Eine verheerende Fehlausrichtung die unsere Solarindustrie, zu der Zeit waren wir hier innovativ und technologisch noch führend, komplett aus der Hand gegeben hatte.


Dass sich zentrale Muster dieser Politik heute erneut abzeichnen, lässt zumindest den Eindruck entstehen, dass Lehren aus der Vergangenheit unzureichend berücksichtigt wurden.

Bewusst oder schlicht mangels besseren Wissens bzw. mangels Kompetenz sei dahingestellt.
Aber dies führt unweigerlich zu der Frage, wohl wissend dass ich hier nicht der Erste bin der diese Frage in den Raum stellt, mache es aber trotzdem:
„Kommt jetzt die historische Reiche-Delle?“

Dabei geht es ausdrücklich nicht um persönliche Motive oder Unterstellungen. Doch es ist legitim zu fragen, warum erneut ein Kurs verfolgt wird, der große Teile der energieintensiven Industrie unter Druck setzt, während nur wenige Akteure – zufällig oder nicht – davon profitieren. Ebenso legitim ist die Frage, warum Bürgerinnen und Bürgern absehbar hohe Folgekosten zugemutet werden, obwohl technisch wie wirtschaftlich tragfähige Alternativen existieren. Um es schwäbisch zu formulieren: Das hat „ein Gschmäckle“.

Was ist also richtig für Deutschland? Richtig ist ein technologieoffener, systemischer Ansatz, der Strom, Wärme gemeinsam denkt. Richtig ist eine Transformationsstrategie, die Industrie nicht belehrt, sondern befähigt. Falsch ist jede Politik, die Komplexität reduziert, indem sie Realitäten ausblendet. Falsch ist auch eine Politik eines Ministeriums, die den Eindruck erweckt, ökonomische und ökologische Nebenwirkungen seien lästige Begleiterscheinungen statt zentrale Bewertungsgröße.


Ob Überforderung, Fehleinschätzung oder eine zu enge Fokussierung auf bestimmte persönliche Interessen eine Rolle spielen, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen. Entscheidend ist etwas anderes: Ein Ministerium dient nicht einer politischen Linie, sondern dem Gemeinwohl. Es dient der Wirtschaftskraft des Landes, der sozialen Balance und der langfristigen Handlungsfähigkeit kommender Generationen.

Am Ende geht es nicht um Gesichtsverlust oder politische Profilierung. Es geht darum, dass wir unserer politischen Überzeugung treu bleiben dürfen – wenn es jedoch um den Dienst an den Bürgerinnen und Bürgern geht, müssen wir sie ins Regal stellen, um das Richtige für jene zu tun, denen die Politik verpflichtet ist.


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