Blogbeitrag
05_2026
Energie-
und Wärmewende: Warum wir den Mut zum Technologiemix brauchen –
und nicht länger warten dürfen
Die
Energie- und Wärmewende zählt zweifellos zu den größten
Transformationsaufgaben unserer Zeit. Während sich die öffentliche
Debatte jedoch weiterhin auffallend stark auf Strom konzentriert,
liegt der Elefant im Raum woanders: bei der Wärme. Rund über
50 % des Endenergiebedarfs in Deutschland entfallen auf Wärme
– in Haushalten, Gewerbe und Industrie. Wer die Energiewende ernst
meint, muss hier ansetzen. Und zwar jetzt.
Abschied
vom Strom-Monokultur-Denken
Die
bisherige Strategie folgt oft einem vereinfachten Narrativ:
Erneuerbare erzeugen Strom, Strom ersetzt alles. Dieses Denken greift
zu kurz. Strom ist wertvoll, vielseitig und knapp – und nicht jede
Anwendung sollte zwangsläufig elektrifiziert werden. Wärme
direkt erneuerbar zu erzeugen, etwa über Solarthermie,
Geothermie, Umweltwärme oder Biomasse, ist technisch erprobt,
effizient und in vielen Fällen wirtschaftlich sinnvoller, als erst
Strom zu erzeugen, um diese in Wärme um zu wandeln.
Eine
zukunftsfähige Energieversorgung basiert daher nicht auf einer
Technologie, sondern auf einem robusten Mix erneuerbarer
Lösungen – angepasst an regionale Gegebenheiten,
Lastprofile und vorhandene Infrastrukturen.
Speicher:
Der unterschätzte Schlüssel zur Versorgungssicherheit
Erneuerbare
Energien sind verfügbar – aber nicht immer dann, wenn sie
gebraucht werden. Die Antwort darauf lautet Speicher. Und hier
wiederholt sich der Denkfehler: Speicher werden fast ausschließlich
als Stromspeicher gedacht. Dabei ist Wärmespeicherung
technisch einfacher, günstiger und hoch skalierbar.
Großvolumige
Wärme-, Erd-, Phase-Change- oder Aquiferspeicher ermöglichen es,
sommerliche Überschüsse aus Solarthermie oder industrieller Abwärme
saisonal zu nutzen. Diese Technologien sind keine
Zukunftsmusik – sie laufen seit Jahren erfolgreich in Ländern
Skandinaviens wie Dänemark, sowie den Niederlanden, Österreich und
anderen Ländern in Europa. Kurz gesagt: Die Technik ist da. Was
fehlt, ist der Wille zur breiten Umsetzung.
Energiemanagement:
Ohne Intelligenz keine Effizienz
Je
vielfältiger der Technologiemix, desto wichtiger wird ein
leistungsfähiges Energiemanagement. Die
intelligente Steuerung von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch
entscheidet über Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Netzstabilität.
KI-gestützte Systeme können Prognosen verbessern,
Lasten optimieren und Systeme Selbstlernend anpassen. Ein konkretes
Beispiel auf Komponentensystem-Ebene ist der
Energiemanagement-Assistent Huawei EMMA-A02, der
KI-gestützte Analyse, Prognose und Steuerung von PV-Erzeugung,
Speicher, Lade- und Lastpunkten ermöglicht – und damit autonome
Optimierungsprozesse in dezentralen Systemen fördert.
Doch
Energie- und Wärmewende sind systemische Aufgaben,
die auf mehreren Ebenen gleichzeitig operieren müssen. Länder und
Energieversorger, die KI bereits gezielt einsetzen, zeigen, wie der
Weg aussehen kann:
China
verfolgt eine umfassende „AI + Energy“-Strategie, bei der KI
nicht nur für Prognosen, Netzstabilität und Emissions-Tracking
genutzt wird, sondern auch zur Koordination komplexer erneuerbarer
Energienetze und virtueller Kraftwerke in Großprojekten.
Brasilien
setzt im Rahmen der Modernisierung seines Stromnetzes KI-basierte
Tools ein (Electrobas
partners with C3AI), um das Netz in Echtzeit zu überwachen und Störungen
schneller zu beheben – ein Beispiel, wie Grid-weite KI-Integration
die Zuverlässigkeit steigert.
Europaweit
entwickeln Netzbetreiber und Start-ups KI-Anwendungen zur
Lastprognose, Netzstabilität und
Energieverbrauchsoptimierung – etwa in Belgien
oder über internationale Kooperationen, die prognosebasierte
Steuerung und Fehlererkennung im Betrieb autonomer Systeme nutzen.
Diese
Beispiele verdeutlichen: KI-gestütztes Energiemanagement ist
keine Zukunftsmusik, sondern Teil realer Strategien und
Projekte in mehreren Staaten.
Und
die Politik?
An
dieser Stelle ein kleiner, rein sachlicher Seitenhieb: Während auf
Bundesebene weiterhin über Detailverordnungen, Zuständigkeiten und
Übergangsfristen diskutiert wird (wahlweise aus Unkenntnis,
Überforderung oder anderen Beweggründen), schreitet die Realität
voran. Industrie, Kommunen und private Haushalte haben längst
begonnen, ihre Energieversorgung selbst in die Hand zu
nehmen – aus Kosten-, Sicherheits- und Klimagründen.
Vielleicht
ist das auch gut so. Große Transformationen waren selten das
Ergebnis perfekter politischer Steuerung, sondern meist das Resultat
von pragmatischem Handeln dort, wo es möglich ist.
Was
brauchen wir konkret?
Einen
technologieoffenen Ansatz, der Wärme als
eigenständige Säule der Energiewende begreift und das fokussiert
auf die Erneuerbaren
Den
massiven Ausbau von Wärmespeichern, insbesondere
saisonaler Systeme
Den
Einsatz direkter erneuerbarer Wärmeerzeugung statt
unnötiger Umwege
Leistungsfähige,
KI-gestützte Energiemanagementsysteme – auf
Gebäude-, Quartiers- und Netzebene
Kooperationen
mit internationalen Technologieanbietern dort, wo sie uns bereits
seit langem voraus sind
Unabhängigkeit
von fossilen Brennstoffen – die aktuelle politische Weltlage
und die diversen Fehlentscheidungen unseres BR zeigen dies
überdeutlich
Wie
sollte es weiter gehen – ohne warten zu müssen?
Eine
Anmerkung an dieser Stelle vorweg: Wir sollten ernsthaft in Betracht
ziehen, nicht auf eine Politik zu verlassen die sich aktuell äußerst
rückständig darstellt und eher auf eine zweite Altmaier-Delle
hinsteuert, die man dann wohl Reiche-Delle nennen müsste. Die
Wirtschaft und Industrie, Kommunen sowie auch private Anwender haben
es in der Hand selbst zu agieren. Ja, das heißt Anstrengungen, aber
Veränderungen kommen nun mal dann wenn man dafür die Ärmel
hochkrempelt und macht und nicht darauf wartet, dass sich Jemand
Drittes darum kümmert.
Die gute Nachricht:
All
das v.g. ist kurzfristig umsetzbar. Die Technologien
sind verfügbar, belastbar, erprobt und skalierbar. Was es braucht,
sind mutige Investitionsentscheidungen, kommunale Wärmeplanung mit
echtem Gestaltungsspielraum, unternehmerische Initiative und
Kooperation über Sektor- und Ländergrenzen hinweg. UND an dieser
Stelle ganz wichtig, die Erkenntnis, dass man uns in anderen Ländern,
wenn es um die Technologien der Erneuerbaren geht, schon lange
überholt hat. Wir sollten also den Gedanken abstreifen der Lehrer
zu sein und uns zu der Erkenntnis ringen der Schüler zu sein.
Sprich, es braucht Kooperationen auf Augenhöhe mit denen die einige
Technologien UND insbesondere Mainstreamfertigung besser beherrschen.
Wenn man das richtig angeht, kann man hier mit einer
Win-Win-Situation für beide Seiten rechnen. Mal von der positiven
Wirkung der CO2-neutralen Energie- und Wärmeversorgung für die
Allgemeinheit abgesehen. Ökonomisch und ökologisch somit ein Gewinn
für Alle.
Die
Energie- und Wärmewende ist keine Utopie. Sie ist ein
Umsetzungsprojekt.
UND
sie beginnt genau dort, wo man aufhört zu warten – und anfängt zu
handeln.